Gesprächsabend mit Sabine Reichwein

Besonderer Besuch an der ARS

Sabine Reichwein in Neu-Anspach

Frau Sabine Reichwein, die jüngste Tochter des Namensgebers der ARS, berichtete am 7. August 2008 im Rahmen der Einweihung des neu gestalteten Foyers im Neubau über Leben und Werk des Reformpädagogen und Widerstandskämpfers.

Sabine Reichwein (*1941) ist ehemalige Grundschullehrerin, Buchautorin, Fotografin und Vorsitzende des Adolf-Reichwein-Vereins. Frau Reichwein kam aus Berlin in den Taunus, der ihr durchaus nicht ganz unbekannt ist, denn ihr Vater wuchs in Rosbach bei Friedberg auf.

Foyer Einweihung Reichwein 2008 

Das rechte Bild zeigt Frau Reichwein bei der feierlichen Eröffnung des Neubau-Foyers, das von der Kunst-AG von Frau Birgit Greiß neu gestaltet wurde.

Foto: F. Saltenberger

Herzstück der Neugestaltung ist das große Reichwein-Medallion an der Außenwand der Musikräume im Erdgeschoss. (siehe unten)

Vor der Gesprächsrunde mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe informierte eine interessante Film-Dokumentation über das Leben Reichweins. Reichwein war Mitglied des Kreisauer Kreis, eine Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, die sich auf dem schlesischen Gut Kreisau der Familie von Moltke traf und über ein „anderes Deutschland“ nach Ende des Hitlerregimes nachdachte. Der Kreisauer Kreis hielt auch u. a. Verbindung zur Staufenberg-Gruppe, war aber an dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 nicht beteiligt Adolf Reichwein wurde nur 46 Jahre alt, der anerkannte Reformpädagoge wurde 1944 von einem Spitzel der damaligen Geheimpolizei (Gestapo) verraten und schließlich im Oktober 1944 zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Frau Reichwein antwortete den Schülerinnen und Schülern sehr persönlich und emotional über die Zeit ohne den Vater: „Ich habe meinen Vater im Leben sehr vermisst“ sagte sie in der Gesprächs- und Fragerunde. Als Kind sei sie fast erschlagen gewesen von dem immens großen Vorbild des „Übervaters". „Mein Vater starb als Held", hieß u. a. ein Filmtitel über den Widerstandskämpfer Reichwein. Als junge Frau empfand sie die Auseinandersetzung mit dem Vater als Widerstandskämpfer als „sehr schwierig", doch heute ist sie sehr stolz und sagte während des Gesprächs über diesen Filmtitel: „Ja, das stimmt." Unermüdlich hält Frau Reichwein das Andenken an ihren Vater wach – er starb für seine politischen und pädagogischen Überzeugungen.